Tonraum – ein Raum für künstlerische Wiederherstellung und Verbindung
Tonraum ist ein inklusiver künstlerischer Nachbarschaftsraum, in dem Menschen verschiedener Altersgruppen, Sprachen und Kulturen durch gemeinsames kreatives Tun zusammenfinden. Im Mittelpunkt steht die Arbeit mit Ton und recycelten Materialien (Fragmente, Naturmaterialien) als Mittel zum Selbstausdruck, zur emotionalen Regulation und zur Wiederherstellung eines Zugehörigkeitsgefühls.
Das Projekt bietet regelmäßige offene Treffen, bei denen der kreative Prozess nicht als Selbstzweck, sondern als Werkzeug dient: Beim Formen, Gestalten, Zerlegen und Neukomponieren erschließen die Teilnehmenden innere Ressourcen, knüpfen neue soziale Verbindungen und erleben ein „mitgestaltendes Miteinander“.
Wissenschaftliche Grundlage:
Aktuelle Erkenntnisse aus Neurowissenschaft, Kunsttherapie und soziokultureller Integration bestätigen die Wirksamkeit kreativer Praktiken bei der Verarbeitung traumatischer Erfahrungen, von Verlust und sozialer Isolation:
• Die Arbeit mit Ton aktiviert nachweislich das parasympathische Nervensystem, reduziert Angst und Spannung und stärkt das Gefühl körperlicher Sicherheit und Abgrenzung (van der Kolk, 2014; Moon, 2002).
• Gemeinsame kreative Prozesse fördern Synchronizität und Empathie, was Vertrauen und soziale Bindung stärkt (Zak, 2005).
• Die Arbeit mit Fragmenten und Recycling-Materialien (inspiriert vom Kintsugi-Ansatz) unterstützt die Integration schwieriger Erfahrungen und das Finden neuer Bedeutung (Malchiodi, 2012).
Projektziele:
• Aufbau eines kulturell und sprachlich barrierearmen Raums, in dem:
• emotionale Heilung möglich wird,
• sichere Begegnung stattfindet,
• Ausdrucks- und Zuhörkompetenzen gefördert werden,
• Einsamkeit und soziale Isolation reduziert werden,
• nachbarschaftliche Beziehungen gestärkt werden.
• Aktivierung der lokalen Gemeinschaft durch Kreativität als universelle Sprache.
Zielgruppe:
Das Projekt richtet sich an Menschen mit unterschiedlichsten Lebensrealitäten und Migrationsgeschichten, insbesondere an:
• Personen, die Flucht, Verlust oder Traumata erlebt haben,
• Frauen mit Kindern, ältere Menschen, Jugendliche und Kontakt- oder Gemeinschaftssuchende,
• alle, die sich einsam fühlen oder Anschluss suchen.
Tonraum ist mehr als eine Werkstatt. Es ist eine psychosoziale und kulturelle Plattform, auf der Menschen wieder in Verbindung treten – mit sich selbst, mit anderen und mit dem Gemeinsamen
Erfahrungen aus zwei Jahren ehrenamtlicher Arbeit mit Ukrainer:innen und anderen Kulturen haben gezeigt, dass Einsamkeit und Integrationsschwierigkeiten zentrale Herausforderungen darstellen. Die Teilnahme an interkulturellen Projekten hat Kommunikationsbarrieren zwischen Einheimischen und Zugezogenen sichtbar gemacht: Angst vor Ablehnung, Missverständnisse sowie das Fehlen geeigneter Räume für Begegnungen. Viele Senior:innen suchen gelegentlich Kontakt zu Zugezogenen, doch es fehlt an passenden Treffpunkten. Sprachbarrieren, das Fehlen gemeinsamer Orte und kommunikativer Brücken verstärken die Isolation zusätzlich.
Jugendliche finden oft keinen Raum, um ihre kommunikativen Bedürfnisse oder altersbedingten Herausforderungen auszudrücken – unabhängig davon, ob sie Migrationshintergrund haben oder nicht. Ein sicherer Rahmen unter der Leitung erfahrener Fachkräfte könnte helfen, mit diesen Schwierigkeiten besser umzugehen. Kreativangebote und Workshops für Kleinkinder fördern deren gestalterische Fähigkeiten und bieten Müttern Gelegenheit, sich auszutauschen oder zur Ruhe zu kommen.
Besonders Frauen – vor allem Migrantinnen – bleiben oft allein mit ihren Kindern zurück. Viele empfinden Unsicherheit im Umgang mit verschiedenen gesellschaftlichen und behördlichen Strukturen und stehen vor vielfältigen Herausforderungen im Schulalltag und im täglichen Leben.
Auch Einheimische erleben einen Mangel an persönlichem Austausch und an Räumen für Begegnung. Die begrenzte öffentliche und kulturelle Infrastruktur im Viertel mindert die Möglichkeiten für gemeinsames Miteinander.





