Einsamkeit findet vor allem in der eigenen Wohnung statt! Im Wohnumfeld drückt sich Einsamkeit vor allem durch eine anonyme Atmosphäre aus. Vor diesem Hintergrund soll dieses Projekt zum einen zu einer Neuausrichtung der Mobilen Wohnberatung in Göttingen führen, zum anderen soll die soziale Dimension des Wohnens im Quartier bzw. in der sozialen Nachbarschaft beleuchtet werden.
In Abstimmung mit der Sozialplanung der Stadt Göttingen werden 3 bis 4 Nachbarschaftszentren (NBZ) für Bedarfsanalysen ausgewählt. Einerseits sollen neue Formate und Inhalte ermittelt werden, die zu einer positiven Resonanz bei der Bewohnerschaft in den ausgewählten Quartieren führen. Daneben sollen freiwillig Engagierte als Multiplikator*innen akquiriert werden, die die neuen niedrigschwelligen Angebote in den NBZ kontinuierlich begleiten können. Dazu sollen die freiwillig Engagierten ein Qualifizierungsangebot durchlaufen können, das auf die Fortbildung „Wohnberatung“ des Niedersachsenbüros „Neues Wohnen“ aufbaut. Beispielsweise fehlt in der vorliegenden Version der Bereich „Maßnahmen in überhitzten Wohnungen“. In den vergangenen Jahren waren vor allem alleinlebende und vermutlich einsame Menschen vom Hitzetod im Sommer betroffen.
Durch die Vernetzung der NBZ werden Synergien erwartet, die zu einer hohen Akzeptanz der neu ausgerichteten Wohnberatung führen. Die Kooperation mit weiteren lokalen Akteuren fördert zudem das Vertrauen der Menschen gegenüber den Beschäftigten in öffentlichen Einrichtungen. Mit dem Blick auf Menschen mit Migrationshintergrund, die erst seit kurzer Zeit in Deutschland leben, sollen die neu zu entwickelnden Angebote mehrsprachig sein. Bezugnehmend auf „überhitzte Wohnungen“ haben Menschen aus wärmeren Ländern möglicherweise praktische Tipps für ein angepasstes Verhalten bei starken Hitzewellen.
Am Ende des Projektes wird ein Themenkatalog für die Neuausrichtung der Wohnberatung vorliegen sowie Empfehlungen für die Qualifizierung von freiwillig Engagierten zu Wohnberater*innen. Ausgehend von dem Slogan „Nicht allein und nicht ins Heim“ werden neue Impulse für die Wohnberatung erwartet, die sich sowohl auf den privaten Wohnraum als auch auf das direkte soziale Umfeld beziehen. Methodisch soll die Anleitung zur Selbsthilfe im Vordergrund stehen, wodurch selbst initiierte Prozesse zur Prävention von Einsamkeit beitragen können.
Die Freie Altenarbeit Göttingen e.V. (FAGö) bietet seit 40 Jahren Bildungs- und Beratungsangebote für alle Generationen u. a. zu den Themenfeldern Wohnen, gemeinschaftliches Wohnen, Wohnraumanpassung, technische Alltagshilfen sowie ähnliche Angebote an. Im Vergleich zu anderen Städten gibt es bisher in Göttingen jedoch vergleichsweise wenig realisierte gemeinschaftliche Wohnprojekte, obwohl seit 1994 die "Alten-WG Am Goldgraben" existiert. Ein Slogan aus der Anfangszeit der FAGö war "Nicht allein und nicht ins Heim!". Dieses Motto lässt erkennen, dass "Wohnen" und "Einsamkeit" eng miteinander in Beziehung stehen, denn die Einsamkeit findet letztlich in der Wohnung und im Wohnumfeld statt.
Um Veränderungen in den Wohnsituationen insbesondere der älteren Menschen bewirken zu können, sind einerseits vertrauensbildende Maßnahmen erforderlich, als auch Unterstützung beim „Entrümpeln von Kopf und Keller“. Einfachste Veränderungen im Alltag sind schnell ausgesprochen, doch häufig schwer zu realisieren. So hat die FAGö mit Angeboten der Wohnwerkstatt Thema Wohnen bereits einige Versuche unternommen, um den Zielgruppen nützliche Hilfestellungen zu vermitteln und Selbsthilfe zu ermöglichen. Die Erfahrung zeigt allerdings, dass Veränderungsprozesse über längere Zeiträume begleitet werden sollten. Es fehlen zum einen Treffpunkte, an denen der einfache Erfahrungsaustausch ermöglicht wird und freiwillig Engagierte, die mit einer einschlägigen Qualifizierung auf eine Tätigkeit in den Begleitprozessen vorbereitet worden sind.

