Immer sonntags nachmittags laden wir Worpsweder Bürgerinnen und Bürger ein zum kostenlosen Kaffee-Nachmittag in der inklusiven Galerie "Das Blaue Haus". Besonders angesprochen sind alte und hilfsbedürftige Menschen sowie deren Freunde, Bekannte, Angehörige, aber auch andere BewohnerInnen im Künstlerort, die helfen wollen, die drohende Vereinsamung zahlreicher alter Menschen zu verhindern. Das behindertengerecht eingerichtete Cafè liegt zentral in der Dorfmitte und ist für alle leicht erreichbar. Wer es allein nicht schafft, wird abgeholt und zurückgebracht.
Einen solchen Nachbarschaftstreff gibt es bisher in Worpswede nicht. Deshalb beschränken wir uns nicht auf die Nachmittage am Sonntag. Die Alzheimer Gesellschaft Lilienthal e.V. wird dort Beratung für demenzkranke Frauen und Männer anbieten, der Seniorenbeirat wird unter der Woche einen Stammtisch anbieten, eine Seniorengruppe wird sich dort zum Tanz treffen und einmal im Monat laden Worpsweder Musiker zu einer Session ein.
Der Nachbarschaftstreff ist Teil eines umfassenden Altenhilfeprojekts der Stiftung Maribondo da Floresta. Wir bauen zurzeit eine Villa um zu einer ambulant betreuten tiergestützten Wohngemeinschaft, wir planen die Einrichtung einer Tagespflege, die es bisher in Worpswede nicht gibt.
Im Zentrum der Bemühungen steht die Quartierspflege. Nachbarn, Freunde und Bekannte sollen dafür geschult werden, hilfsbedürftige Menschen in Worpswede zu begleiten und zu betreuen.
"Das Blaue Haus" wird zur zentralen Vermittlungsstelle für all diese Aktivitäten. Das Durchschnittsalter der BewohnerInnen von Worpswede liegt bei 50, 5 Jahren. Das ist Spitze in Niedersachsen. Der Anteil der über 65 jährigen wird in den nächsten Jahren erheblich steigen. Worpswede benötigt dringend einen Hilfeplan für die immer älteren BewohnerInnen, von denen schon jetzt zahlreiche Personen allein leben und von Einsamkeit bedroht sind. Diese Entwicklung wollen wir stoppen. Dazu bedarf es dringend einer zentral gelegenen, leicht erreichbaren Anlaufstelle mit dem Ziel ein Netzwerk aufzubauen, an dem sich Vereine, Kirche, Gemeinderat, Schulen und Kitas aktiv beteiligen können. Um diesem Nachbarschaftstreff zu einem guten Start zu verhelfen, benötigen wir aktuell die im Finanzierungsplan dargelegten Mittel. Für die Zukunft des Projekts werden wir uns um Stiftungsgelder bewerben und die Zuschüsse der Pflegekassen nutzen. Die Stiftung Maribondo wird den Gewinn aus ihren Worpsweder Hotelbetrieben in das Projekt einbringen.
In Worpswede, dem Dorf mit einem der höchsten Anteile an alten Bewohnern in Niedersachsen, leben zahlreiche hilfsbedürftige Frauen einsam und ohne ausreichend soziale Kontakte in oft viel zu großen Wohnungen. Aber auch noch rüstige Rentner und Pensionäre finden in Worpswede sozusagen als Vorbeugung gegen drohende Einsamkeit außerhalb kommerzieller Einrichtungen keine Möglichkeit, sich zu treffen. Nun lassen sich einsame Menschen nicht einfach nach draußen locken. Voraussetzung ist der Kontakt zu Menschen, denen sie Vertrauen entgegenbringen. Eine Grundlage für das Projekt "Gemeinsam statt einsam" sind Berichte von Nachbarn, die sich um alleinstehende Frauen und Männer kümmern, aber mit dieser freiwilligen und ehrenamtlichen Hilfe überfordert sind. Diese Nachbarn sind eine der Zielgruppen des Projekts. Wir werden versuchen, die Zahl der freiwilligen HelferInnen zu erweitern und ihnen im Blauen Haus einen Treffpunkt anbieten, den sie mit den hilfsbedürftigen Nachbarn besuchen können, dort aber auch mit fachkundiger Begleitung durch Sozialpädagogen der Stiftung Maribondo da Floresta über ihre Sorgen und Probleme sprechen können. Die Kommunen haben den Auftrag, für die Alten im Dorf und in der Stadt ein menschenwürdiges, möglichst selbst bestimmtes Leben zu gewährleisten. In Worpswede gibt es einen Flächennutzungsplan, einen Bebauungsplan, einen Verkehrswegeplan, aber keinen Plan für die Altenhilfe. Unser umfassendes Gesamtprojekt soll dazu beitragen, diese Lücke zu schließen. Das Kümmern um vereinsamte Menschen ist ein wichtiger Mosaikstein auf dem Weg zu einer altenfreundlichen Kommune.

