Gemeinsames Essen hat die Menschheit in ihrer Geschichte sehr lange begleitet und befriedigt viele wichtige Bedürfnisse. Es bringt Menschen zusammen, fördert die Gesundheit, steigert die Zufriedenheit und stärkt die emotionalen Bindungen. Diese ursprüngliche Bedeutung wollen wir nutzen und mit einem regelmäßigen Kochevent einen Rahmen etablieren, in dem sich Menschen mit unterschiedlichen sozialen Voraussetzungen treffen und gemeinsam Kochen können. Damit wollen wir frühzeitig Vereinsamung und Verstärkung von Depression entgegenwirken. Weiterhin soll einsamen Menschen ein Ausweg aus der Isolation ermöglicht werden. Dabei stehen die einzelnen Biographien und die persönlichen Geschichten im Fokus. Lieblingsrezepte aus der Kindheit oder aus dem Heimatland können nachgekocht werden. Zu jedem Rezept wird eine Geschichte erzählt.
Damit sich bei der Zubereitung der Gerichte jede/r beteiligen kann, sorgen wir für eine möglichst kleine, niederschwellige Hürde für eine aktive Teilnahme - auch ohne sofort direkt in Kommunikation treten zu müssen. Das ermöglicht den Menschen mit Zuwanderungsgeschichte mit noch unzureichenden Deutschkenntnissen den Zugang zum Projekt.
Menschen, die alleine leben und essen, neigen häufig dazu, sich einseitig von Fertigprodukten oder Lieferdiensten zu ernähren. Wir wollen daher, durch eine Auswahl biologischer und regionaler Zutaten, einer schlechten und einseitigen Ernährung entgegenwirken und durch positive Erfahrungen mit einfachen Rezepten anregen, mehr selber zu kochen. Weiterhin wollen wir den Aspekt der Nachhaltigkeit in den Fokus rücken und die Foodsharing-Projekte sowie die lokale Tafel einbinden. Durch die Projektförderung wird eine barrierefreie Teilhabe den Menschen mit geringem Einkommen ermöglicht.
Wir streben eine Gruppe von etwa 20 Teilnehmenden an, die sich monatlich trifft. Gemeinsam kaufen wir die Zutaten ein und kochen in einer Gemeinschaftsküche die Gerichte. Im Anschluss essen wir gemeinsam und sammeln Vorschläge für die nächsten Rezepte.
Der Heidberg ist ein Stadtteil mit 7590 Bewohner*innen. 36,4% der dort lebenden Menschen weisen einen Migrationshintergrund auf. Aufgrund des Zuzugs von Geflüchteten aus Syrien und Ukraine ist diese Zahl in den letzten zehn Jahren um 5% gestiegen. Diese Zielgruppe findet aufgrund der unzureichenden Deutschkenntnisse nur schwer Zugang zu den bestehenden Angeboten. Diese Menschen benötigen ein Angebot, bei dem die Deutschkenntnisse keine notwendige Voraussetzung für die Teilnahme sind.
32 % der Einwohner*innen des Quartiers sind 65 Jahre und älter. Der Altersdurchschnitt liegt bei 49,70 Jahren. Somit ist Heidberg der drittälteste Stadtteil Braunschweigs. Der Anteil der Einzelpersonenhaushalte beträgt 53,7%. Häufig ziehen Menschen nach dem Tod eines Partners/einer Partnerin in den Heidberg. Um in einem neuen Wohnumfeld soziale Kontakte aufzubauen, benötigt man geeignete Angebote. Auch Menschen nach der Pflegephase von Angehörigen kehren nur langsam in das soziale Leben zurück. Während der Pflegephase gehen viele sozialen Kontakte verloren und müssen wieder aufgebaut sein.
In Hinsicht auf soziale Struktur ist zu beachten, dass, bezogen auf 1.000 Einwohner*innen (zwischen 15 und 65 Jahre) mehr Arbeitslose im Stadtteil sind als gesamtstädtisch. Weiterhin beziehen ca. 9% der Einwohner*innen Mindestsicherungsleistungen. Für diese Zielgrippe ist ein kostenfreies bzw. -günstiges Angebot notwendig, um den Menschen die soziale Teilhabe zu ermöglichen.

