Der Verein Integrationslotsen im Landkreis Cloppenburg e.V. plant die Einrichtung eines interkulturellen Nachbarschaftstreffs im Landkreis Cloppenburg. In diesem Treffpunkt sollen wöchentliche Begegnungsnachmittage stattfinden – etwa in Form eines Sprachcafés, gemeinschaftlichen Kochens und Erzählrunden. Zudem werden Quartierspatenschaften zwischen zugewanderten Neu-Bürger*innen und alteingesessenen Anwohner*innen initiiert, um persönliche Begegnungen zu fördern. Ergänzend sind Straßenaktionen im Wohnviertel geplant, die niedrigschwellig weitere Nachbar*innen ansprechen und aus der Isolation holen sollen. Einsamkeit hat sich in Cloppenburg als wachsendes soziales Problem herauskristallisiert. Besonders ältere Alleinstehende, Menschen mit Migrationshintergrund und Alleinerziehende sind gefährdet, in sozialer Isolation zu leben. Ursachen sind u.a. fehlende Begegnungsmöglichkeiten, sprachliche oder kulturelle Barrieren und der Wandel der Familienstrukturen. Durch den Nachbarschaftstreff und die Patenschaften sollen nachbarschaftliche Strukturen gestärkt und nachhaltige Begegnungen im direkten Wohnumfeld geschaffen werden. Das Projekt setzt auf einen lokalen und niedrigschwelligen Ansatz: Der Treffpunkt wird in leicht zugänglichen Räumen im Stadtteil eingerichtet. Wöchentliche Treffen mit Kaffee, Gesprächen und Aktivitäten werden von Ehrenamtlichen und Bewohner*innen gemeinsam gestaltet. Parallel dazu werden interessierte langjährige Anwohner*innen mit neu Zugezogenen als Paten-Tandems vernetzt, die sich gegenseitig unterstützen (z.B. beim Deutschlernen, Alltagsfragen oder gemeinsamen Freizeitaktivitäten). Gezielte Straßen- und Hof-Aktionen (wie Nachbarschaftsfeste, Info-Stände oder gemeinsame Gartenaktionen) sprechen auch jene an, die bisher zurückgezogen leben, und laden sie ein, am Gemeinschaftsleben teilzunehmen. Hauptziel des Projekts ist es, Einsamkeit im Quartier zu bekämpfen, indem nachhaltige nachbarschaftliche Kontakt entstehen und soziale Teilhabe für alle ermöglicht wird. Konkret sollen Menschen, die zuvor isoliert waren, durch das Projekt neue Bekanntschaften und Freundschaften in ihrer direkten Nachbarschaft knüpfen. Migrantische Familien integrieren sich besser ins Gemeindeleben, ältere Bewohner*innen finden Anschluss und Unterstützung, und Alleinerziehende erhalten ein soziales Netz vor Ort. Langfristig entsteht ein stärkerer Zusammenhalt im Stadtteil, der über die Projektlaufzeit hinaus Bestand hat.
Cloppenburg verzeichnet eine vielfältige Bevölkerungsstruktur mit einem steigenden Anteil an älteren Menschen sowie an Einwohner*innen mit Zuwanderungsgeschichte. Gleichzeitig wächst die Anzahl der Ein-Personen-Haushalte und Alleinerziehenden. In den letzten Jahren wurde – auch verstärkt durch die Corona-Pandemie – ein Anstieg von sozialer Isolation beobachtet. Lokale Sozialarbeiter*innen und Ehrenamtliche berichten, dass viele ältere Alleinstehende in ihren Wohnungen vereinsamen und Zugewanderte außerhalb von offiziellen Integrationskursen wenige Kontakte zu Einheimischen haben. Alleinerziehende fühlen sich oft allein gelassen, da ihnen familiäre Unterstützung vor Ort fehlt. Es gab viele Gespräche mit lokalen Akteuren, die übereinstimmend auf Einsamkeit als verbreitetes Phänomen hinwiesen und Beobachtungen im Alltag zeigen, dass es in vielen Wohnstraßen Cloppenburgs kaum spontane Begegnungen gibt: öffentliche Treffpunkte stehen leer, Nachbar*innen kennen einander oft nicht mehr persönlich. Rückmeldungen von Bewohner*innen und Klient*innen bestätigen dies – immer wieder wurde der Wunsch nach mehr Kontaktmöglichkeiten an unseren Verein herangetragen. Zusätzlich untermauern sozialräumliche Daten die Ausgangslage: Cloppenburg weist einen überdurchschnittlichen Anteil an älteren Single-Haushalten auf, was ein Risikofaktor für Einsamkeit ist. Gleichzeitig leben viele Neuzugezogene (z.B. aus Osteuropa und dem Nahen Osten) in bestimmten Quartieren der Stadt, ohne engen Anschluss an bestehende Gemeinschaften zu finden. Migrant*innen haben uU untereinander Kontakt, aber kaum Verbindung zu alteingesessenen Einwohnern. So entstehen Parallelstrukturen.

