In einer zunehmend digitalen Welt verlieren viele Menschen den Kontakt zu ihrer unmittelbaren Umgebung. Soziale Netzwerke und Onlineplattformen suggerieren Nähe, während reale Begegnungen immer seltener werden. Besonders in Linden fühlen sich viele Menschen trotz physischer Nähe zu anderen allein. Unser Projekt "Salon für Nachbarschaft im Medienhaus" will dem entgegenwirken und echte Verbindung fördern.
Zentrales Element des Projekts sind Kurzinterviews mit Menschen aus der Nachbarschaft. In offenen Gesprächen berichten sie von Erfahrungen mit Einsamkeit, Isolation, aber auch von ihren Hobbys und sich selbst. Die Interviews werden filmisch dokumentiert und online veröffentlicht. Ziel ist es, insbesondere jene zu erreichen, die viel Zeit in der digitalen Welt verbringen, aber wenig reale Kontakte pflegen. Die Videos machen sichtbar, dass Einsamkeit viele Gesichter hat – und dass jede\*r etwas beitragen kann, um dies zu ändern.
Zum Abschluss des Projekts wird eine öffentliche Veranstaltung organisiert. Die aufgezeichneten Interviews werden dort nochmals gezeigt, gefolgt von einem gemeinsamen Essen. Dieser Abend soll Menschen aus der Umgebung zusammenbringen, Begegnung ermöglichen und Raum für neue Gespräche und Beziehungen schaffen.
Das Projekt verbindet digitale Formate mit realer Begegnung. Es schafft Sichtbarkeit für ein wichtiges gesellschaftliches Thema und bietet zugleich einen konkreten Impuls für gelebte Nachbarschaft. Ziel ist es, einen Raum für Offenheit, Nähe und Mitgefühl zu schaffen – über digitale Grenzen hinweg, mitten im echten Leben.
Linden gilt als kreativer und bunter Stadtteil Hannovers, doch hinter der lebendigen Fassade erleben viele Menschen soziale Isolation. Besonders in Linden-Nord und Linden-Süd leben überdurchschnittlich viele Alleinstehende und Singles. Der demografische Wandel, steigende Mieten und häufige Umzüge führen dazu, dass nachbarschaftliche Bindungen schwächer werden. Trotz kultureller Angebote fehlt es vielen Menschen an echten sozialen Kontakten. Die Corona-Pandemie hat diese Entwicklung weiter verstärkt, insbesondere für ältere Menschen und Alleinerziehende. Auch in „lebendigen“ Vierteln brauchen Menschen Strukturen, in denen sie sich sicher, gebraucht und gehört fühlen.online leben. Hier setzt mein Projekt an: Es will Sichtbarkeit schaffen, Geschichten teilen und durch reale Begegnungen Nachbarschaft neu beleben – genau dort, wo die Isolation oft verborgen bleibt.Die Problematik von Einsamkeit in Szenestadtteilenist ein oft unterschätztes, aber komplexes Phänomen. Gerade in urbanen, „hippen“ Stadtteilen, in denen viele junge, kreative oder zugezogene Menschen leben, sind bestimmte soziale Mechanismen und strukturelle Bedingungen wirksam, die Einsamkeit sogar begünstigen können,trotz vermeintlich hoher Dichte an Kultur, Begegnung und „Community“. Szenestadtteile sind oft geprägt von hoher Mieterfluktuation. Dadurch entstehen weniger stabile nachbarschaftliche Beziehungen, was langfristige soziale Netze erschwert. Zwar ist Diversität willkommen – aber jeder lebt oft „sein Ding“. Solidarität, gegenseitige Hilfe ist doch nicht vorhanden. Einsamkeit ist nicht nur ein individuelles Gefühl, sondern ein gesellschaftliches Symptom.

