Einsamkeit betrifft immer mehr Menschen – unabhängig von Alter, Herkunft oder Lebenssituation. Dies ist auch in der Nachbarschaft des künftigen Quartierszentrums spürbar, das der Martinsclub Bremen e.V. in der Syker Innenstadt plant. Dort, an der Syker Hauptstraße und in zahlreichen Nebenstraßen, leben viele Personen, die in ihrer Freizeit wenig Berührungspunkte miteinander haben. Insbesondere bestimmte Bevölkerungsgruppen, die keine weiten Distanzen überbrücken können, z.B. Senior:innen, Personen mit geringem Einkommen oder auch Menschen mit (geistigen) Behinderungen sind besonders von Einsamkeit betroffen. Nachbarschaftliche Kontakte könnten hier eine Antwort bieten. Unser Projekt „Moin Miteinander!“ setzt genau hier an. Wirkungsziel des Projekts ist eine lebendige und aktive Nachbarschaft und Gemeinschaft in dem Areal um das künftige Quartierszentrum, das in Zukunft auch als Anlaufstelle für die Menschen im Ortsteil dient, zu etablieren. Es sollen neue Kontakte unter den Nachbar:innen entstehen, bestehende Netzwerke gestärkt und ein Gefühl von Zugehörigkeit gefördert werden.
Kern des Projekts ist ein regelmäßiger Nachbarschaftstreff, der alle zwei Wochen stattfindet. Der Treff ist wie ein Stammtisch und findet zentral z. B. in einem sozialen Café in der Nachbarschaft statt. Hier wird gemeinsam besprochen, welche Bedürfnisse in der Nachbarschaft bestehen und welche Angebote fehlen. Gleichzeitig geht es um das regelmäßige Zusammenkommen. Es wird besprochen, was Syke gerade beschäftigt. Eine pädagogische Unterstützung ist vor Ort, gestaltet den Treff aktiv mit und leitet insbesondere zu Beginn die Gesprächsrunde etwas an. Die Menschen aus der Nachbarschaft sind von Beginn an aktiv eingebunden.
Im Rahmen des Nachbarschaftstreff werden Freizeitaktivitäten entwickelt, wie gemeinsames Kochen, kleine Ausflüge, Spieleabende oder zusammen Fußballschauen. Diese Veranstaltungen sind offen für alle, generationsübergreifend und inklusiv. Sie fördern das Miteinander und bieten Gelegenheiten, sich kennenzulernen und in Kontakt zu kommen.
Als öffentlichkeitswirksamer Auftakt und zur Aktivierung der Nachbarschaft ist zudem ein Straßenfest geplant, das Aufmerksamkeit schafft und weitere Interessierte einlädt, sich zu beteiligen. In diesem Zuge soll auch eine große Beteiligungsaktion stattfinden, bei der die Nachbar:innen ihre Wünsche und Vorstellungen zum Zusammenleben im Ortsteil einbringen können.
Das Leben in der heutigen Zeit ist durch eine unüberschaubare Vielzahl von Möglichkeiten geprägt, die Freizeit online und offline zu verbringen. Dabei werden für Hobbys auch große Distanzen überwunden. Diese Individualisierung der Freizeit, die Vorteile für viele Personen bringt, birgt jedoch für zahlreiche andere auch Nachteile: Vereine vor Ort haben mit Nachwuchssorgen zu kämpfen, Nachbarschaften werden anonymer und Innenstädte mit immer weniger Geschäften sind verwaister. Es gibt Personengruppen, die diesen Individualisierungstrend nicht mitgehen können oder wollen, in der Folge aber von Einsamkeit bedroht sind. Dies sind oftmals ältere Menschen oder auch Menschen mit (kognitiven) Behinderungen oder Mobilitätseinschränkungen. Für sie ist eine aktive Nachbarschaft besonders wichtig, um sie vor Vereinsamung zu schützen.
Dieses Problem nimmt der Martinsclub auch in der Syker Innenstadt/Neustadt wahr und möchte dem etwas entgegensetzen. Im Zentrum der Kleinstadt baut er derzeit einen inklusiven Hotel- und Gastronomiebetrieb auf. Zum Leistungsangebot soll jedoch auch ein kostengünstiges inklusives Freizeitangebot für die Menschen in der Nachbarschaft gehören – im Sinne eines Quartierszentrums. Der Bedarf hierfür ist groß, dies bekommt der Verein immer wieder durch die Personen gespiegelt, zu denen bereits in der Stadt Syke Kontakt besteht – in der unmittelbaren Nachbarschaft – auch aus dem direkt benachbarten Seniorenheim, aber von den Personen mit Behinderungen, die er selbst betreut. Es fehlt an einer gezielten Nachbarschaftsarbeit, die diese und weitere Gruppen miteinander in Kontakt bringt und Gemeinschaft erleben lässt.

