Bahnhöfe sind seit jeher ein Ort, an dem sich Menschen mit unterschiedlichsten persönlichen und sozialen Hintergründen aufhalten und begegnen. Diese Begegnungen gehen nicht immer mit einer Gemeinschaft einher, wie man sie z.B. im Umfeld von Wohnungslosen am Bahnhof antrifft, sondern sind bei einer bestimmten Gruppe, die sich im und um den Bahnhof herum aufhält, auch von fehlenden sozialen Kontakten gekennzeichnet. Hier möchten wir ansetzen und, eventuell in Kooperation mit weiteren Akteuren am Bahnhof, durch ein nachhaltiges Angebot die Problematik der Einsamkeit aufnehmen, ohne zu stigmatisieren. Eine gezielte Öffentlichkeitsarbeit, verbunden mit kreativen oder inhaltlichen Aktionen sollen dazu animieren, die Angebote zu nutzen und darüber bestenfalls in einen Austausch zu gehen. Ein Referent der katholischen Kirche im Bistum Hildesheim, der das Thema Einsamkeit in seinem Portfolio hat und ebenfalls Referent für Bahnhofsmissionen ist, würde das Projekt mit seiner Expertise unterstützen und als ein beratender Kooperationspartner mitwirken. Durch unserer Arbeit in der Bahnhofsmission können wir immer wieder feststellen, dass sich in und um den Bahnhof herum Menschen aufhalten, die scheinbar mit Einsamkeit zu tun haben. Eine seit diesem Jahr existierende Frauengruppe in unserer Bahnhofsmission bestätigt das zumindest auf Frauenseite. Unsere Gäste sind aber auch alleinstehende Männer, die augenscheinlich wenig Austausch mit anderen haben und isoliert scheinen. Unser Anliegen ist es zunächst, diesen Personenkreis zu erfassen und niedrigschwellig in die Angebote einzubinden. Zum einen kann hierüber in weiterführende Angebote vermittelt oder gemeinsam Wege aus der Einsamkeit gefunden werden, zum anderen könnte sich daraus bestenfalls ein dauerhaftes Angebot entwickeln, so dass auch in der Zeit nach dem Projekt einsame Menschen am Bahnhof eine Anlaufstelle haben. Um die Zielgruppe zu erreichen, wäre neben dem Verteilen von Informations-Flyern und dem Aushängen von Plakaten, die direkte Ansprache im Bahnhof, in der Bahnhofsmission selbst oder in den angrenzenden Einrichtungen ein entscheidendes Mittel zur Kontaktaufnahme. Das Erreichen der Zielgruppe wird dadurch erleichtert, dass die potentielle Mitarbeiterin bereits in der Bahnhofsmission tätig ist und mit dem Umfeld Bahnhof vertraut ist.
Nach der aktuellen Studienlage (siehe Einsamkeitsbarometer der Bundesregierung) zeigt sich, dass Einsamkeit alle sozialen Milieus durchdringt. Die klassischen Risikogruppen sind hiervon sehr stark betroffen, was sich auch im Sozialraum Bahnhof widerspiegelt.
Es fällt auf, dass insbesondere Männer und Frauen der mittleren und hohen Altersgruppen, die sich in prekären Lebenslagen befinden, eine hohe und regelmäßige Aufenthaltsdauer am Bahnhof aufweisen. Dieses lässt sich durch durch Beobachtungen und die Besuchenden der Bahnhofsmission feststellen. Der von Gästen kommunizierte Bedarf nach Begegnungsangeboten ist uns ein großes Anliegen. Gleichzweit gehen wir davon aus, dass dieser Bedarf nicht von allen kommuniziert wird, sondern in Gänze erst durch eine gezieltes Angebot sichtbar wird.

