Das Projekt „Lieblingsorte & Offline-Zeiten – Begegnung in der Nordstadt“ schafft niedrigschwellige Angebote zur Begegnung im direkten Wohnumfeld und stärkt damit nachbarschaftliche Beziehungen. Es baut logisch auf der 2024 gestarteten Strukturförderung für das Nachbarschaftszentrum Nordstadt (LAG Soziale Brennpunkte e.V.) auf, die auf mehr bürgerschaftliches Engagement, Sichtbarkeit und Vernetzung im Stadtteil abzielt.
Projektzeitraum ist der 01.08. bis 31.12.2025.
An Sonntagen von 15–18 Uhr finden Stadtteilspaziergänge unter dem Motto „Zeig deine Lieblingsorte“ statt. Menschen aus der Nordstadt zeigen ihre persönlichen Orte – sei es der Lieblingsbaum, ein Ort der Erinnerung oder ein versteckter Hinterhof. Treffpunkt ist der öffentliche Welfengarten, wodurch auch Personen erreicht werden können, die das Nachbarschaftszentrum noch nicht kennen. Die Spaziergänge fördern Dialog, Zugehörigkeit und spontane Begegnungen.
Mittwochs von 12–16 Uhr öffnet das Offline-Café im Nachbarschaftszentrum. Ein Raum ohne digitale Ablenkung – dafür mit Stiften, Garn, Tee und Zeit. Menschen bringen mit, was sie gern tun: Malen, Stricken, Basteln oder einfach reden. Das Café schafft einen verlässlichen Rahmen, in dem gemeinsames Tun Begegnung erleichtert.
Beide Formate sind offen, barrierearm und kostenfrei. Sie richten sich besonders an ältere Menschen, Menschen mit Migrationsgeschichte, Alleinlebende und Menschen mit Behinderung, die bereits Teil unseres Netzwerks sind. Mit den neuen Angeboten wollen wir weitere Teilhabe ermöglichen, Isolation vorbeugen und auch neue Zielgruppen erreichen, die bisher keinen Zugang gefunden haben.
Die regelmäßige Struktur ermöglicht Kontakt, Orientierung und Verbindlichkeit – wichtige Faktoren im Kampf gegen Einsamkeit. Die Angebote werden von einer Projektleitung (16 Wochenstunden) koordiniert und sind in bestehende Formate wie Sprachcafé, Kiez-Küche, Community Meeting und Ehrenamtstag eingebettet. So entstehen Anschlussmöglichkeiten, die über das Projekt hinaus wirken.
Für das Offline-Café wurde bereits eine Folgeförderung bei der Postcode Lotterie beantragt. Die Spaziergänge sollen sich bis Projektende im Stadtteil verstetigen.
Die Nordstadt in Hannover ist ein vielfältiger Stadtteil mit 17.872 Anwohnenden, geprägt durch einen hohen Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund (43,9 %), Ausländerinnen (30,9 %), Transferleistungsbezieherinnen (16,0 %) sowie Alleinerziehenden (28,6 %). Die Arbeitslosenquote liegt bei 8,1 %. Als Hochschulstandort verzeichnet die Nordstadt zudem eine hohe Fluktuation von etwa 12 % jährlich – viele Menschen leben allein, soziale Bindungen sind oft instabil.
Trotz bestehender Angebote wie Sprachcafé, Kiez-Küche oder dem Ehrenamtstag zeigt sich, dass nicht alle Menschen erreicht werden. Der Ehrenamtstag spricht besonders aktive Menschen an, während andere – etwa Menschen mit psychischen Belastungen oder neu Zugezogene – niedrigschwellige und informelle Zugänge brauchen. Viele erleben soziale Isolation, teils verstärkt durch depressive Episoden oder fehlende Netzwerke.
Besonders geflüchtete Menschen – über 10.000 leben aktuell in Sammelunterkünften in Hannover – stehen vor der Herausforderung, außerhalb ihrer Communities Anschluss zu finden. Auch konsumfreie Treffpunkte fehlen im Stadtteil.
Die Nordstadt ist räumlich und sozial gespalten: Während der südliche Teil zunehmend gentrifiziert ist, leben nördlich des Engelbosteler Damms viele einkommensarme Haushalte. WASMITHERZ liegt an dieser Schnittstelle und bietet einen offenen Raum für Begegnung. Um auch jene zu erreichen, die bisher außen vor bleiben, braucht es zusätzliche, niedrigschwellige Formate außerhalb des Zentrums, um neue Kontaktpunkte zu schaffen und Isolation zu durchbrechen.




