Der Kontakt zwischen verschiedenen Gruppen kann positive Wirkungen auf die gegensei­tige Akzeptanz oder sogar Anerkennung haben. Solche Aktivitäten können daher zu einer deutlichen Verringerung der Nei­gung zu Vorurteilen gegenüber Mitgliedern anderer Gruppen führen. Entscheidend sind zum einen Bedingungen, unter denen solche Aktivitäten durchgeführt werden und zum anderen die Kontexte, in denen Kontakte stattfinden.

Hierfür kann die Gemeinwesenarbeit einen geeigneten fachlich-methodischen und strukturellen Rahmen bieten:

  • Im Mittelpunkt des vielgestaltigen Handlungskonzeptes und Arbeits­feldes der Sozialen Arbeit steht die Bearbeitung struktureller Ursa­chen von sich bei Individuen, Gruppen und in Sozialräumen bzw. auf Quartiersebene äußern­der Problem- und Konfliktlagen. Hierbei kann es sich auch um politische Radikalisierungstenden­zen sowie gruppenbezogene, rassistisch motivierte Ausschließungen oder Gewalt handeln.

  • Gemeinwesenarbeit zielt nicht nur auf eine Verbesse­rung von materiellen Bedingungen und infrastrukturel­len Bedingungen sondern auch immateriellen Bedingungen. Hierzu gehören neben Partizipation und Kultur auch die Qualität der sozialen Beziehun­gen zwischen unterschiedlichen Gruppen.

  • Das Handlungskonzept richtet sich ganzheitlich auf die Lebenszusammenhänge von verschiede­nen Gruppen aus Bewohner*innen und orientiert sich daran, wie diese ihre Lebenswelten wahrnehmen.

  • Die Fachpersonen aktivie­ren, ermutigen, unterstützen und organisieren Bewohner*innen sog. benachteilig­ter Stadtteile, ihre örtlichen Wohn- und Lebensbedingungen gemeinsam zu gestal­ten. Die Gemeinwesenarbeit geht da­her von den unterschiedlichen Interessen ihrer Nutzer*innen aus und versucht in entsprechender Weise, auf die Situation im Stadtteil und zugleich auf die kommunale Poli­tik Einfluss zu nehmen. Dadurch können auch strukturelle Ausschließungen (z. B. durch ungünstige Belegungspolitiken) thematisiert und bearbeitet werden, welche die Entstehung oder Verfestigung von Vorurteilen begünstigen können.

  • Gemeinwesenarbeit nutzt verschiedene partizipative, aktivie­rende, vernetzende und forschungsbezogenen Methoden. Zum methodischen Reper­toire gehören neben der Medien- bzw. Öffentlichkeitsarbeit, dem Projektmanage­ment und der Netzwerkarbeit u. a. auch sozialraumanalytische Metho­den, aktivierende Befragun­gen, Klein- und Großgruppenarbeit, Partizipationsarbeit (Stadtteilversammlun­gen, Runde Tische u. ä.), Stadtteilfeste, Bildungs- und Lernangebote und vielfältige Ange­bote zur Selbsthilfe und nachbarschaftlichen Unterstüt­zung.

  • Die Gemeinwesenar­beit kann eine wichtige Verknüpfung von loka­ler Partizipationsförderung sowie sozia­len und räumlichen Planungsprozessen in den Städten und Gemeinden darstellen. Verstanden als Arbeit im und am Gemeinwe­sen ist sie daher auch ein wesentlicher Beitrag für die partizipative Gestaltung von Sozialräu­men bzw. Quartieren, die bedarfsgerechte Umset­zung sozial- und kommunalpoliti­scher Aufgaben und zur Sicherung demokrati­scher Verhältnisse.

  • Aus einer fachlich-theoretischen Perspektive fungiert die Gemeinwesenarbeit sowohl einen geeigneten Rah­men als auch als Anknüpfungspunkt für diversitäts- und sozialraumsensible Kontaktmaßnahmen zum Abbau von Vorurteilen. Gemeinwesenarbeit integriert die Bearbei­tung individueller und struktureller Aspekte nicht nur in sozialräumlicher Perspek­tive, son­dern sie ist sozial- bzw. lokalpolitisch ausgerichtet.

  • Bewohner*innen werden in ihren unmittelba­ren Lebenszusammenhängen erreicht und somit motiviert, um niederschwellige, wohnort­nahe Sport-, Freizeit‐, Kultur- und Bildungsangebote aufzusuchen und mitzugestal­ten oder auch Beratungs- und Vermittlungsangebote zu nutzen. Solche Angebote ermöglichen Begegnungen und Kooperationen zwischen Bewohner*innen, die sich – jenseits von als problematisch erlebten Differenzen sowie Konflikten und Konkurrenzsituationen im All­tag – an gemeinsamen Interessen ausrichten. Insbesondere lokale Partizipationsveranstaltun­gen bieten wertvolle Erfahrungsräume, um Diversität als Res­source zur Bewältigung von allgemeinen Quartiersthematiken zu erleben, gegensei­tige Vorur­teile zu überwinden oder zumindest eine Toleranz gegenüber unterschiedli­chen Lebensführungswei­sen zu entwickeln.

  • Die Gemeinwesenarbeitenden agieren als „intermediäre Instanzen“, um einerseits zwischen den verschiede­nen Gruppen von Bewohner*innen in den Quartieren und anderer­seits zwischen Vertreter*innen der kommunalen Verwaltung und Poli­tik zu vermitteln. Die Fachpersonene wirken als positive Vorbilder für den respektvol­len Umgang zwischen unterschiedlichen Gruppen und Individuen und bieten Orientie­rung für den konstruktiven Umgang mit Konflikten. Zudem können sie Begegnungssituationen auf eine Weise gestalten und begleiten, dass Status- und Machtunterschiede zwi­schen den Beteiligten ausgeglichen werden können.

  • Mit einer systematischen rezipient*innensensible Medienar­beit können Gemeinwesenarbeitende erfolgreiche Begegnungen zwi­schen unterschiedlichen Gruppen kommunizieren, aber auch menschenverachtenden, rassistischen und ausgrenzenden Äußerungen, positive Erzählungen entgegensetzen.

Check-Liste

  • Wie wird die Gemeinwesenarbeit getragen?

    • Durch die Kommune.

    • Durch einen freien Träger.

    • Durch einen eingetragenen Verein.

    • Durch eine Initiative.

      • Wie wirkt sich das Trägerverhältnis auf die fachliche Arbeit aus?

    • Förderlich. Wie und warum?

    • Einschränkend. Wie und warum?

      • Wie ist die Art der Finanzierung?

    • Intentionelle Förderung (dauerhaft)

    • Projektbezogen (zeitlich begrenzt)

      • Wie wirkt sich die Finanzierungsart auf die fachliche Arbeit aus?

    • Förderlich. Wie und warum?

    • Einschränkend. Wie und warum?

      • Wie ist die Ausstattung mit Fachkräften?

    • Angemessen. Warum?

    • Nicht angemessen. Warum?

      • Wie wirkt sich die Ausstattung mit Fachkräften aus?

    • Förderlich. Wie und warum?

    • Einschränkend. Wie und warum?

      • Wie ist die Beschäftigungssituation insgesamt?

    • Nur Vollzeit.

    • Überwiegend Vollzeit.

    • Nur Teilzeit.

    • Überwiegend Teilzeit.

      • Wie wirkt sich die Beschäftigungssituation auf die fachliche Arbeit aus?

    • Förderlich. Wie und warum?

    • Einschränkend. Wie und warum?

  • Ist die Gemeinwesenarbeit in ein größeres Netzwerk eingebunden?

    • Nein.

    • Ja. Auf welcher Ebene?

      • Auf Quartiersebene.

      • Auf kommunaler Ebene.

      • Aus überkommunaler Ebene.

    • Trägt diese Einbindung in Netzwerke zur Unterstützung der Arbeit / von Projekten bei?

    • Nein

    • Ja. Auf welche Weise?

  • Qualifizierung der Fachkräfte?

    • Bei den Fachkräften der Einrichtung handelt es sich mehrheitlich um diplomierte Sozialarbeiter*innen/Sozialpädagog*innen.

    • Bei den Fachkräften der Einrichtung handelt es sich mehrheitlich um Absolvent*innen anderer Studienrichtungen. Wenn ja, welcher?

    • Bei den Fachkräften der Einrichtung handelt es sich mehrheitlich oder vollständig um Personen ohne einen Hochschulabschluss?

    • Die Fachkräfte verfügen besondere (zertifizierte) Qualifikationen. Wenn ja. Welche?

  • Praxisrelevanz

    • Entspricht die Ausbildung / Qualifikation den konkreten Anforderungen der Praxis in der Einrichtung / im Projekt

    • Vollständig

    • Stark

    • Mäßig, Warum?

    • Wenig, Warum?

    • Gar nicht. Warum?